Einblicke
Security Token vs. Utility Token: Der Unterschied
Security Token oder Utility Token: der Unterschied in einem Satz, dazu die rechtliche Einordnung nach MiCA und was das für Emittenten in der EU bedeutet.

Lukas Wipf
CPO & Mitgründer
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ONINO bietet Infrastruktur für digitale & tokenisierte Finanzierung.
Das Wichtigste auf einen Blick
Wenn Ihr Unternehmen Kapital von Anlegern einsammeln will, die Zinsen und ihr Geld zurück erwarten, ist ein Security Token das richtige Werkzeug, kein Utility Token. Ein Security Token ist eine digitale Kapitalanlage, in Deutschland meist eine Anleihe als Kryptowertpapier nach dem eWpG, die Zinsen zahlt und zurückgezahlt wird. Ein Utility Token ist ein digitaler Gutschein für Ihr Produkt und darf keine Rendite versprechen; zahlt er trotzdem Geld aus, gilt er meist als Wertpapier oder Vermögensanlage. Für Wertpapierangebote unter 12 Mio. Euro in zwölf Monaten genügt seit Juni 2026 meist ein Wertpapier-Informationsblatt (WIB) statt eines Prospekts.
Die meisten Ratgeber zu diesem Thema richten sich an Krypto-Anleger und US-Tokenprojekte. Dieser richtet sich an Mittelständler, Bauträger, Energieprojekte und Genossenschaften, die bereits Kunden, Mitglieder oder ein Netzwerk haben und dort per Direktplatzierung Kapital einsammeln wollen. Er erklärt verständlich, welcher Token zu Ihrer Finanzierung passt, was die Regeln von Ihnen verlangen und wann Sie gar keinen Token brauchen.
Was ist ein Security Token?
Ein Security Token ist eine Kapitalanlage in digitaler Form, also ein Wertpapier, das auf einer Blockchain verbucht ist. Der Inhaber hat Ihnen Geld geliehen oder eine Beteiligung erworben und erwartet Zinsen, Rückzahlung oder einen Gewinnanteil. Gemeint ist hier der Begriff aus der Finanzwelt, nicht der Hardware-Token für sichere Logins.
Was ist ein Utility Token?
Ein Utility Token ist ein digitaler Gutschein: Er gewährt Zugang zu einer App, einem Service oder einem Rabatt seines Herausgebers. Niemand kauft einen Gutschein in der Erwartung, dass der Laden ihm Zinsen zahlt.
Was ist der Unterschied zwischen Security Token und Utility Token?
Ein Token ist ein Eintrag auf einer Blockchain, also einem digitalen Register, der festhält, wem was gehört. Den Unterschied macht das Versprechen dahinter: Ein Security Token trägt ein finanzielles Versprechen, ein Utility Token ein Produktversprechen. Wer Kapital aufnehmen und dafür Zinsen zahlen will, gibt also ein finanzielles Versprechen und braucht einen Security Token.

Kann mein Unternehmen mit einem Utility Token Kapital aufnehmen?
Selten. Ein Softwareunternehmen kann den Zugang zu einer Plattform vorab verkaufen, die es im nächsten Jahr startet. Ein Bauträger oder ein Solarpark hat nichts Vergleichbares zu verkaufen, denn seine Anleger wollen eine Rendite, keinen Gutschein.
Auch dann sind die Regeln streng. Utility Token fallen unter die EU-Regeln für Kryptowerte (MiCAR), zuständig ist in Deutschland die BaFin. Für ein Produkt, das es noch nicht gibt, brauchen Sie meist ein eigenes Offenlegungsdokument, das Kryptowerte-Whitepaper, und müssen es der BaFin vorher anzeigen. Ausnahmen gibt es unter anderem für kleine Angebote bis 1 Mio. Euro in zwölf Monaten und für Token auf ein bereits bestehendes Produkt.
Die größere Falle ist das Etikett. Seit Mai 2025 wendet die BaFin Leitlinien der EU-Wertpapieraufsicht ESMA an: Es zählt, was ein Token tut, nicht wie er heißt. Ein „Utility Token“, der Zinsen zahlt oder Erlöse ausschüttet, gilt meist als Wertpapier oder Vermögensanlage. Fällt das erst nach dem Verkauf auf, haben Sie ohne die vorgeschriebenen Unterlagen verkauft. Das kann Bußgelder und Ansprüche der Anleger nach sich ziehen. Details zeigt unser Vergleich von MiCAR und eWpG.
Wie sieht ein Security Token bei einer Unternehmensfinanzierung aus?
Für die meisten Unternehmen ist ein Security Token einfach eine Anleihe in digitaler Form. In Deutschland heißt sie Kryptowertpapier und ist im Gesetz über elektronische Wertpapiere (eWpG) geregelt. Anleger leihen Ihnen Geld, Sie zahlen Zinsen und am Ende das Kapital zurück, genau wie bei einer klassischen Anleihe ohne Bank. Siemens hat 2023 gezeigt, dass das Modell funktioniert: mit einer digitalen Anleihe über 60 Mio. Euro auf der öffentlichen Blockchain Polygon, ganz ohne Papierurkunde, platziert bei institutionellen Anlegern.
Statt im Bankdepot wird die Anleihe im Kryptowertpapierregister eingetragen. Dieses Register führt ein Registerführer mit BaFin-Erlaubnis; die Erlaubnis liegt bei diesem Partner, nicht bei ONINO. Laut BaFin-Datenbank hatten im Juli 2026 sieben Unternehmen diese Erlaubnis. Klären Sie außerdem früh, wer die Kapitalertragsteuer auf die Zinsen einbehält: Ohne eine dafür benannte Stelle sind Sie als Emittent selbst dafür verantwortlich. Wie digitale Wertpapiere im Detail funktionieren, erklärt unser Überblick zu digitalen Wertpapieren.
Ein Prospekt ist ein ausführliches Angebotsdokument, das die BaFin billigen muss. Seit Juni 2026 brauchen Sie keinen Prospekt mehr, solange Ihr Unternehmen in zwölf Monaten insgesamt Wertpapiere für weniger als 12 Mio. Euro anbietet. Ab einem Angebot von 100.000 Euro reicht stattdessen das WIB, bei Kryptowertpapieren höchstens vier Seiten lang. Die BaFin gibt es innerhalb von zehn Arbeitstagen frei. Seit Februar 2026 dürfen Sie die Anleihe zudem selbst verkaufen, ohne Bank und ohne Höchstbeträge je Anleger. Planen Sie für die erste Emission zwei bis vier Monate Vorbereitung ein. Den Ablauf in Deutschland zeigt unser Leitfaden Eigenemission umsetzen, die EU-Perspektive unser Leitfaden zum Security Token Offering in der EU.
Security Token und Utility Token im Überblick
Utility Token | Security Token | |
|---|---|---|
Was der Inhaber bekommt | Zugang zu Ihrem Produkt oder Service | Zinsen und Rückzahlung, manchmal einen Gewinnanteil |
Rendite versprechen? | Nein | Ja, vertraglich, aber Anleger können Geld verlieren, wenn Ihr Unternehmen scheitert |
Typischer Herausgeber | Unternehmen, die ihr eigenes Produkt vorab verkaufen | Mittelstand, Bauträger, Energieprojekte, Genossenschaften |
Regelwerk | MiCAR (EU-Regeln für Kryptowerte), Aufsicht durch die BaFin | Wertpapierrecht: Prospektverordnung, WpPG und eWpG |
Anlegerdokument | Whitepaper, außer bei bestehendem Produkt oder kleinem Angebot | Ab 100.000 Euro und unter 12 Mio. Euro meist WIB, darüber Prospekt |
Größtes Risiko für Sie | Einstufung als Wertpapier nach dem Verkauf, wenn er Geld auszahlt | Haftung für Ihr Anlegerdokument sowie pünktliche Zins- und Rückzahlung |
Sieht ein Security Token für meine Anleger nach Krypto aus?
Nicht unbedingt. Ihre Anleger registrieren sich auf Ihrer eigenen Zeichnungsseite, weisen sich online aus und zahlen per Überweisung. Ihre Anleihe sehen sie mit Zinsterminen und Zahlungen im Anlegerkonto. In der Regel hält ein lizenzierter Verwahrpartner die Schlüssel für Ihre Anleger, eine eigene Krypto-Wallet brauchen sie dann nicht.
Übertragen können Anleger ein Kryptowertpapier grundsätzlich. Einen Handelsplatz mit vielen Käufern gibt es für Mittelstandsanleihen aber meist nicht. Versprechen Sie deshalb keine Handelbarkeit.
Brauche ich überhaupt einen Token?
Nein. Ein Token ist eine Form, eine Kapitalanlage zu verbuchen und zu verwalten, nicht die Anlage selbst. Dieselbe Finanzierung über 5 Mio. Euro kann als klassische Anleihe oder als Kryptowertpapier laufen; die Rechte der Anleger sind gleich, nur die Verbuchung ändert sich.
Nachrangdarlehen und die meisten Genussrechte sind dagegen Vermögensanlagen, keine Wertpapiere. Anleger werden erst nach Ihren übrigen Gläubigern bedient. Ein öffentliches Angebot an Privatanleger ist nur über einen zugelassenen Vermittler und mit Anlegerdokument möglich. Ausgenommen sind nur sehr kleine Angebote, etwa bis 20 Anteile oder bis 100.000 Euro in zwölf Monaten. Nachrangdarlehen und Genossenschaftsanteile lassen sich nicht als Kryptowertpapier begeben; eine Genossenschaft kann aber eine Anleihe ausgeben.
Ein Kryptowertpapier lohnt sich vor allem in der Verwaltung: Zinszahlungen, Anlegerliste und Übertragungen laufen digital statt über Tabellen, was bei Hunderten Anlegern oder jährlichen Emissionen zählt. Für ein einmaliges Darlehen von fünf Familienmitgliedern genügt oft ein einfacher Nachrangdarlehensvertrag, wie unser Vergleich von Nachrangdarlehen und tokenisierten Anleihen zeigt.
Wie wähle ich den richtigen Weg für meine Finanzierung?
Drei Fragen klären die meisten Fälle:
Erwarten Ihre Anleger ihr Geld zurück oder eine Rendite? Dann brauchen Sie eine Kapitalanlage wie eine Anleihe, nie einen Utility Token.
Wie viel wollen Sie einsammeln, und bei wem? Bleiben Sie unter 12 Mio. Euro in zwölf Monaten, reicht meist ein WIB. Weder Prospekt noch WIB brauchen Angebote nur an professionelle Anleger wie Fonds und Versicherer, an weniger als 150 Privatanleger je EU-Staat oder mit einer Mindestanlage von 100.000 Euro je Anleger.
Planen Sie mehrere Runden mit vielen kleineren Anlegern? Dann sparen ein digitales Register und automatische Zinszahlungen bei jeder Runde Zeit.
Kapital direkt bei Kunden, Mitgliedern und im eigenen Netzwerk einzusammeln, heißt Eigenemission oder Direktplatzierung. ONINO ist Softwareanbieter: Mit der White-Label-Plattform für Direktplatzierungen wickeln Sie diese Emission unter Ihrer eigenen Marke ab, als Kryptowertpapier, als klassische Anleihe oder, über einen zugelassenen Vermittler, als Nachrangdarlehen. Sie bringen das Projekt und die Anleger mit; Registerführung, Verwahrung und Zahlungsabwicklung übernehmen vorintegrierte, lizenzierte Partner. Ob das zu Ihrer Finanzierung passt, besprechen wir gern mit Ihnen.
Häufige Fragen
Was ist ein Beispiel für einen Security Token? Eine digitale Anleihe, etwa die 60-Mio.-Euro-Anleihe, die Siemens 2023 auf einer öffentlichen Blockchain bei institutionellen Anlegern platziert hat. Für einen Mittelständler ist es meist eine Anleihe mit festem Zins für die eigenen Kunden oder das eigene Netzwerk.
Kann eine Genossenschaft einen Security Token ausgeben? Ja, als Anleihe. Die Genossenschaftsanteile selbst lassen sich nicht als Kryptowertpapier begeben, eine Anleihe der Genossenschaft aber schon.
Ist Ethereum ein Utility Token? Nein, nicht im Sinne der MiCAR. Ein Utility Token gewährt Zugang zu einem Produkt seines Herausgebers, und Ether hat keinen Herausgeber. Ether gilt unter MiCAR als sonstiger Kryptowert und nicht als Wertpapier, denn er gewährt keinen Anspruch auf Gewinne oder Rückzahlung eines Unternehmens.
Kann ein Utility Token zum Security Token werden? Ja. Zahlt er Zinsen oder schüttet Erlöse aus, kann die BaFin ihn als Wertpapier einstufen, egal wie er heißt.
Welchen Token sollte mein Unternehmen nutzen?
Erwarten Anleger eine Rendite, bieten Sie eine Kapitalanlage an. Strukturieren Sie sie von Anfang an als solche: für die meisten Unternehmen als Anleihe, klassisch oder als Kryptowertpapier. Klären Sie die Struktur zuerst mit Ihrer Kanzlei, dann wählen Sie die Plattform, auf der Sie sie umsetzen.
Rechtsstand: Oktober 2026. Quellen: MiCAR, Verordnung (EU) 2023/1114, Art. 3, 4, 6, 8 und 13; ESMA-Leitlinien zur Einstufung von Kryptowerten als Finanzinstrumente (März 2025, von der BaFin angewendet seit 12. Mai 2025); Prospektverordnung (EU) 2017/1129 in der Fassung des EU Listing Act; Wertpapierprospektgesetz (WpPG) in der seit 2026 geltenden Fassung; Standortfördergesetz (StoFöG), BGBl. 2026 I Nr. 33; eWpG; § 2 Abs. 1 Nr. 3 und § 5b VermAnlG.
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ist keine Rechts-, Steuer- oder Anlageberatung.
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