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Standortfördergesetz 2026: Was sich für die Eigenemission ändert
Seit Februar 2026 dürfen Unternehmen eigene Anleihen ohne Haftungsdach und ohne Anlegergrenzen anbieten, bis 12 Mio. Euro nur mit WIB. Was das kostet.

Kristina Stark
Junior Growth Manager
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Kurz gesagt
Seit das Standortfördergesetz am 10. Februar 2026 in Kraft getreten ist, darf ein deutsches Unternehmen eigene Anleihen selbst an Privatanleger verkaufen, ohne Wertpapierinstitut und ohne Haftungsdach. Auch die alten Obergrenzen von 1.000 bis 25.000 € pro Anleger gelten nicht mehr. Vorher musste ein Angebot ab 1 Mio. € mit Wertpapier-Informationsblatt (WIB) über einen solchen Partner laufen. Seit dem 5. Juni 2026 reicht dieses dreiseitige WIB für Angebote bis 12 Mio. € in zwölf Monaten, ein Prospekt ist erst darüber nötig. Für den Mittelstand fällt damit die Platzierungsgebühr weg, die Einstiegshürde sinkt, und neben der Hausbank entsteht eine echte zweite Finanzierungsquelle.
Die Bank finanziert einen Teil der nächsten Investition, den Rest würden Kunden, Lieferanten oder Unterstützer aus der Region übernehmen. Genau dieser zweite Teil ist 2026 deutlich einfacher geworden: Sie dürfen jetzt eine eigene Anleihe begeben und direkt an Privatanleger verkaufen, ohne Bank und ohne lizenzierten Partner dazwischen.
Bei einer Eigenemission, auch Direktplatzierung genannt, verkauft Ihr Unternehmen eigene Wertpapiere wie eine Anleihe direkt an Anleger. Die Grundlagen erklärt unser Beitrag Was ist eine Eigenemission? Dieser Artikel konzentriert sich auf die Gesetzesänderung in Deutschland: was bisher galt, was jetzt erlaubt ist und was das für Ihre Kosten und Ihre Anleger bedeutet.
Was hat sich 2026 bei der Eigenemission geändert?
Entscheidend sind zwei Termine, beide aus dem Standortfördergesetz: der 10. Februar 2026 für die Vertriebsregeln und der 5. Juni 2026 für die Prospektgrenze. Die Regeln, die im Februar weggefallen sind, waren deutsche Zusatzregeln und kein EU-Recht. Das WIB selbst ist eine kurze, standardisierte Information über Ihr Unternehmen, das Wertpapier, seine Risiken und Kosten und ersetzt den deutlich umfangreicheren Prospekt.
Bisher | Seit 2026 | |
|---|---|---|
Wer das Angebot an Privatanleger macht | Ein Wertpapierinstitut oder Sie als vertraglich gebundener Vermittler unter dessen Haftungsdach | Ihr Unternehmen selbst; ein Vertriebspartner ist optional |
Anlage pro Privatanleger | 1.000 €; mit Selbstauskunft bis 10.000 €; höchstens 25.000 € | Keine Grenze |
Grenze ohne Prospekt | 8 Mio. € pro Wertpapierart | 12 Mio. € für alle Wertpapiere zusammen, in zwölf Monaten |
Anlegerdokument | WIB, 3 Seiten (4 bei elektronischen Wertpapieren) | Unverändert |
BaFin-Prüfung und Gebühr | In der Regel 10 Arbeitstage, 5.923 € | Unverändert |
Größter Vertriebskostenblock | Platzierungsgebühr, ein Anteil am eingesammelten Kapital | Überwiegend Fixkosten |
Warum brauchten Unternehmen vor 2026 einen lizenzierten Partner?
Ein lizenzierter Partner musste das Angebot machen. Seit 2018 schrieb das Wertpapierprospektgesetz vor, dass öffentliche Wertpapierangebote an Privatanleger zwischen 1 und 8 Mio. €, die mit einem WIB gemacht wurden, nur im Wege der Anlageberatung oder Anlagevermittlung durch ein Wertpapierinstitut vertrieben werden durften. Ohne eigene Erlaubnis blieben zwei Wege: ein solches Institut mit dem Vertrieb beauftragen oder selbst vertraglich gebundener Vermittler eines Instituts werden. Das Institut stellt dann das Haftungsdach und lässt sich das bezahlen. Angebote mit vollständigem Prospekt betraf diese Regel nicht, ein Prospekt ist aber deutlich umfangreicher und teurer.
Was darf Ihr Unternehmen jetzt, was vorher nicht ging?
Sie dürfen das Angebot selbst machen. Seit dem 10. Februar 2026 darf Ihr Unternehmen eigene Wertpapiere direkt an Privatanleger anbieten: auf der eigenen Website, im Kundennewsletter, auf Veranstaltungen oder über eine Zeichnungsstrecke unter Ihrer Marke. Ein lizenzierter Vertriebspartner ist damit eine Option, keine Pflicht. Jede Werbung für das Angebot muss auf das WIB hinweisen. Wer Ihr Angebot gegen Bezahlung berät oder vermittelt, braucht weiterhin eine Erlaubnis.
Sie dürfen mehr ohne Prospekt einsammeln. Seit dem 5. Juni 2026 genügt das WIB für bis zu 12 Mio. € in zwölf Monaten. Vorher lag die Grenze bei 8 Mio. € pro Wertpapierart. Oberhalb der Grenze bleibt ein vollständiger Prospekt Pflicht; wann genau, erklärt unser Leitfaden zur Prospektpflicht.
Am WIB-Verfahren selbst hat sich nichts geändert: Die BaFin muss die Veröffentlichung gestatten, bevor das Angebot startet, und die Prüffrist beginnt neu, wenn die Unterlagen unvollständig sind. Die BaFin prüft dabei Vollständigkeit und Form, nicht die inhaltliche Richtigkeit.
Was ändert sich für Privatanleger?

Die Obergrenzen sind weg. Nach altem Recht durfte ein nicht professioneller Anleger 1.000 € in ein WIB-Angebot investieren. Mit Selbstauskunft waren bis zu 10.000 € möglich (bei mindestens 100.000 € frei verfügbarem Vermögen) oder das Doppelte des monatlichen Nettoeinkommens, höchstens aber 25.000 €. Auch die Selbstauskunft entfällt.
Ein Kunde, der seit zwanzig Jahren bei Ihnen kauft und 100.000 € investieren möchte, darf das jetzt. Zugleich reichen weniger Anleger für denselben Betrag: Bei durchschnittlich 1.000 € pro Person braucht eine Emission über 2 Mio. € 2.000 Anleger, bei 10.000 € nur noch 200.
Der Anlegerschutz bleibt. Jeder Anleger erhält vor der Zeichnung das WIB, mit dem vorgeschriebenen Risikohinweis auf der ersten Seite.
Was kostet eine Eigenemission mit WIB heute?
Rechnen Sie mit vier Kostenblöcken: Rechtsberatung für Anleihebedingungen und WIB, meist der größte Posten; die BaFin-Gebühr von 5.923 €; Identifizierung und Zahlungsabwicklung, abgerechnet pro Anleger oder Transaktion; und bei einer digitalen Anleihe der Registerführer. Was entfällt, ist die Platzierungsgebühr. Zur Orientierung: Crowdinvesting-Plattformen verlangten von Emittenten üblicherweise 5 bis 10 % des eingesammelten Kapitals, teils zuzüglich laufender Gebühren (Rödl & Partner, 2019; ein älterer Richtwert). Zur Einordnung der Gesamtkosten: Bei einer Anleihe über rund 2 Mio. €, die über die Software von ONINO begeben wurde, zeichneten rund 1.000 private und professionelle Anleger, und die Gesamtkosten lagen bei etwa 1 bis 3 % des Volumens, ungefähr zu gleichen Teilen für Technologie, Rechtsberatung und Vertrieb.
Ein ausgedachtes Beispiel zeigt den Unterschied. Ein Fensterhersteller braucht zusätzlich zum Bankkredit 2 Mio. € für eine neue Fertigungslinie. Vor 2026 hätte eine Platzierungsgebühr von 5 bis 10 % ihn 100.000 bis 200.000 € gekostet, und ein privater Kunde hätte höchstens 25.000 € investieren dürfen. Heute entfällt diese Gebühr, und derselbe Kunde kann die vollen 100.000 € anlegen. Weil die übrigen Kosten überwiegend fix sind, wächst die Ersparnis mit dem Volumen. Einen Vergleich der Gesamtkosten beider Wege finden Sie in unserem Beitrag Anleihe ohne Bank begeben.
Ist die Eigenemission jetzt eine echte Alternative zum Bankkredit?
Ja, als zweite Quelle neben der Bank, nicht als Ersatz. Die Banken halten sich zurück: Im zweiten Quartal 2026 berichteten 40,5 % der kreditinteressierten Mittelständler von restriktiven Banken, ein Rekord seit Beginn der KfW-ifo-Erhebung 2017. Nur noch 27 % der Mittelständler ziehen einen Bankkredit für Investitionen überhaupt in Betracht, 2017 waren es 66 %. Wer darauf verzichtet, nennt am häufigsten zu viel Offenlegung (30 %) und zu hohe Sicherheiten (28 %)
Eine Anleihe bleibt Fremdkapital und muss zurückgezahlt werden. Laufzeit, Zins und Anlegerkreis bestimmen aber Sie, und Sicherheiten stellen Sie nur, wenn Sie das wollen.
Am besten passt die Eigenemission zu Unternehmen mit stabilem Geschäft, klarem Verwendungszweck und Menschen, die ihnen bereits vertrauen.
Was bleibt nach der Gesetzesänderung gleich?
Die Verantwortung liegt bei Ihnen. Ihr Unternehmen haftet für das WIB: Sind wesentliche Angaben falsch oder irreführend oder fehlt das WIB, können Anleger die Rückabwicklung verlangen. Die häufigsten Risiken sind veraltete Zahlen und Werbung, die mehr verspricht als das WIB. Lassen Sie deshalb das WIB und jede Anlegerkommunikation vor dem Start anwaltlich prüfen.
Nur für Wertpapiere. Nachrangdarlehen und andere Vermögensanlagen brauchen weiterhin eine Plattform oder einen Vermittler, und dort gelten die Obergrenzen pro Anleger weiter.
Nur in Deutschland. Das WIB gilt nicht für Angebote in anderen EU-Staaten.
Erlaubnispflichtiges bleibt erlaubnispflichtig. Zahlungsabwicklung, Verwahrung und das Register einer digitalen Anleihe laufen über lizenzierte Partner.
Was brauchen Sie für eine Eigenemission?
Die Bausteine sind dieselben wie bisher, nur ohne Pflicht-Vertriebspartner: Anleihebedingungen, ein WIB mit Gestattung der BaFin, Identifizierung und Zahlungsabwicklung, Verwahrung oder ein Register sowie die Kommunikation mit Ihren Anlegern über die gesamte Laufzeit. Wie Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen und wie lange das dauert, zeigt unser Leitfaden Eigenemission umsetzen.
Laufen alle Schritte über ein System, sparen Sie Zeit, denn jede Übergabe zwischen Dienstleistern kostet Wochen. ONINO ist Softwareanbieter: Mit der White-Label-Software betreiben Sie Registrierung und Zeichnung unter Ihrer eigenen Marke. Identifizierung, Zahlungsabwicklung und das Register für digitale Anleihen laufen über vorintegrierte, lizenzierte Partner; die Erlaubnisse liegen bei diesen Partnern, nicht bei ONINO. Projekt und Anleger bringen Sie mit, und das Setup nutzen Sie für jede weitere Emission erneut.
Fazit
Seit dem 10. Februar 2026 darf Ihr Unternehmen eigene Wertpapiere mit WIB ohne lizenzierten Partner an Privatanleger anbieten.
Die Obergrenzen pro Anleger und die Selbstauskunft sind entfallen; für Vermögensanlagen wie Nachrangdarlehen gelten sie weiter.
Seit dem 5. Juni 2026 genügt das dreiseitige WIB für Angebote bis 12 Mio. € in zwölf Monaten.
Die Eigenemission wird damit günstiger, leichter umsetzbar und zu einer echten zweiten Finanzierungsquelle neben der Bank.
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